Ehemaliger PASCH-Schüler landet Musik-Hit in Deutschland

Ezé Wendtoin aus Burkina Faso hat mit „Sage nein!“ ein Lied von Konstantin Wecker gecovert. Im Interview spricht er über den Mut zur Vielfalt, sein Engagement gegen Diskriminierung und seine Begeisterung für die deutsche Sprache.

 

 

Vorab herzlichen Glückwunsch zu deinem so erfolgreichen Cover des Liedes „Sage Nein“ von Konstantin Wecker. Warum hast du dir gerade dieses Lied ausgesucht?

 

Ich habe das Lied gecovert, weil es eine schöne Botschaft hat. Dazu entwickelte mein bester Freund Christian Suhr von Just People die Idee zum Video und drehte es mit der Unterstützung von deutschen Prominenten. An dieser Stelle möchte ich mich auch noch einmal bei ihm und allen Beteiligten bedanken. Ich beschäftige mich tagtäglich mit all diesen Themen, die mit Diskriminierung zu tun haben und führe auch Workshops in dem Bereich durch. Meine Motivation ist es, den Menschen mit dem Lied Mut zu machen, klare Positionen einzunehmen.

 

Gerade heutzutage ist es wichtig, dass jeder und jede Mut zugesprochen bekommt, Nein zu sagen und sich gegen Diskriminierung im Alltag einzusetzen. Es ist Zeit, sich zu positionieren und die Musik vielleicht als Mittel oder als Waffe gegen Diskriminierung zu nutzen. Für eine offene Gesellschaft ist es wirklich wichtig, dass alle Mut zeigen. Wie Goethe schon gesagt hat – „Ein Land, das seine Fremden nicht ehrt, ist seinem Untergang geweiht.“ Wir sind alle unterschiedlich, aber genau diese Vielfalt sollten wir mehr wertschätzen.

 

 

Ezé Wendtoin © Wolfgang Möhrer

Über Kultur und Bildung Perspektiven schaffen

Das macht hoffentlich vielen Menschen Mut. Die Ziele, die du damit vertrittst, sind wichtig für die Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik (AKBP). Was wäre deine Botschaft für die AKBP, bzw. was würdest du dir wünschen?

 

Alles, was Kultur und Bildung angeht, ist natürlich sehr wichtig. Beides sind Aspekte, die miteinander einhergehen. Das Video zum Lied „Sage Nein“ haben wir mit der Idee rausgebracht, die Aufmerksamkeit der Menschen zu wecken und ihnen vor Augen zu führen, was gerade aktuell und wichtig ist.

 

Zudem arbeite ich an meinem Schulprojekt „Fondation Warc-en-ciel“, welches sich an benachteiligte Kinder und junge Frauen in Burkina Faso richtet, um ihnen einen Zugang zu Bildung und Handwerksberufen zu ermöglichen. Das Ziel ist es, über Kultur und Musik Perspektiven für die Menschen vor Ort zu schaffen. Musik ist ein tolles Medium, um aussagekräftige Botschaften zu vermitteln und etwas in der Gesellschaft zu bewegen.

 

Was deine Musik besonders macht, ist, dass du nicht nur in deiner Muttersprache singst, sondern auf Deutsch. Ist das schwierig für dich oder sogar hilfreich beim Festigen der Sprache?

 

Neben Liedern und eigenen Texten in deutscher Sprache singe ich auch ab und zu auf Französisch und in meiner Muttersprache Mòoré. Ich empfinde meine Mehrsprachigkeit als großes Glück und freue mich, diese in meiner Musik nutzen zu können. Ich habe bereits in Burkina Faso in der Schule Deutsch gelernt und danach Germanistik dort an der Universität bis zum Bachelor studiert.

 

In Deutschland habe ich dann meinen Master an der TU Dresden fortgesetzt. Die deutsche Sprache habe ich von Anfang an gemocht. Ich habe mir immer viel Mühe gegeben, sie zu lernen, und somit wurde sie zu einer wahren Leidenschaft. Schon sehr früh habe ich mit der Sprache gespielt und natürlich kam dann der Gedanke hinzu, irgendwann auf Deutsch zu singen bzw. Lieder zu schreiben.

 

Heute höre ich Liedermacher wie Konstantin Wecker oder Reinhard Mey sehr gerne, weshalb ich einige Lieder von ihnen in mein Repertoire aufgenommen habe. Meine Musik ist eine Mischung aus eigenen Texten in deutscher Sprache und meiner Muttersprache sowie Covers von Liedern anderer Künstler, die mich motivieren. Ich liebe diese bunte Mischung, da die Gesellschaft eben genauso ist und auch so bleiben sollte!
 


Mehr Spaß und Motivation im Deutschunterricht

Man hört oft, Deutsch sei so schwierig zu erlernen. Du hast an einer PASCH-Schule in Burkina Faso Deutsch gelernt. Warum hast du dich für diese Sprache entschieden, bzw. was waren deine Berührungspunkte mit Deutsch?

 

Diese Entscheidung entstand mehr oder weniger aus einer Neugier heraus. Ich glaube, diese Neugier steckt in jedem Menschen. Schließlich gibt es hier in Deutschland, oder allgemein in Europa, ebenso Menschen, die sich für afrikanische Sprachen interessieren. Wenn man die Sprache gefunden hat, die einem am meisten gefällt, kommt die Motivation, es durchzuziehen, ganz von allein. In der Schule hatten viele meiner Mitschülerinnen und Mitschüler Schwierigkeiten beim Erlernen, aber für mich stand immer der Spaß im Vordergrund.

 

Würdest du auch anderen Schülerinnen und Schülern raten, für sich selbst oder das Berufsleben Deutsch zu lernen?

 

Auf jeden Fall. In dem Kontext habe ich auch meine Masterarbeit geschrieben. Im Fokus stand die Frage, wie sich Fremdsprachen (vor allem Deutsch als Fremdsprache) mit Musik, Tanz und Theater vermitteln und fördern lassen, mit besonderem Augenmerk auf Lernende aus Westafrika. Ich denke, dass die Kunst eine besondere Rolle im Fremdsprachenunterricht einnehmen kann und für mehr Spaß und Motivation sorgt. Genau diese Aspekte möchte ich in mein laufendes Schulprojekt besonders miteinbeziehen. Mit meinem Master-Abschluss kann ich nun als Deutschlehrer arbeiten, z.B. in Integrationskursen. Mein Plan ist es aber, das Studium in Richtung Promotion weiterzuführen. Momentan überlege ich, inwiefern sich die Thematik meiner Masterarbeit noch ausbauen lässt.

 

Du hast das Lycée Mixte de Gounghin, eine PASCH-Schule in Ouagadougou, besucht. Hast du noch Kontakt zu der Schule?

 

Ja, der Kontakt besteht noch. Ich habe in der Schule dort in Zusammenarbeit mit der Leiterin das Konzept: „Sprache durch Musik“ für meine Masterarbeit umgesetzt.

 

 

Sage Nein! Ezé Wendtoi mit Konstantin Wecker. © Christian Suhr

Musik verbindet

Wenn du Konzerte in deinem Heimatland spielst, singst du dann auch dort auf Deutsch? Wenn ja, wie kommt das beim Publikum an?

 

Als ich noch in Burkina Faso gelebt habe, habe ich tatsächlich ein paar deutsche Lieder performt. Für die Menschen dort klingt es natürlich fremd und die Botschaft verstehen sie auch nicht unbedingt. Aber die Musik verbindet und letztendlich läuft viel Positives darüber. Ich hatte immer den Eindruck, in den fragenden Gesichtern eine gewisse Neugier herauslesen zu können. Vor kurzem habe ich in Mali mit Deutschlernenden gearbeitet und auch diese waren mit sehr viel Spaß dabei.

 

Unser Interview begann mit einer Frage zum Lied „Sage Nein“. Um darauf zurückzukommen: Hast du Reaktionen aus deiner Heimat zu dem Lied bekommen?

 

Als ich Konstantin Wecker kennengelernt habe, hat er mich auf das Lied aufmerksam gemacht und somit kam die Idee, das Lied zu covern. Die Aufnahme fand dann tatsächlich in Burkina Faso statt, dort habe ich es mit meinen Musikern vor Ort aufgenommen. Hier in Deutschland erfolgte dann die Überarbeitung. Bisher haben wir das Lied aber noch nicht live in Burkina Faso gespielt.

 

Vielen Dank für dieses Interview!


Dieses Interview erschien zuerst auf PASCH-net

09.05.2019

Referat 610, Auswärtiges Amt